News · Live-Musik Lesedauer: 3 min.

Wem gehören die europäischen Livemusik-Orte?

“When we buy a ticket for a festival or a concert, who do we really support, and what kind of ecosystem do we want for live music in Europe?” 

Live DMA, das europäische Netzwerk der nationalen Livemusik-Verbände, und das Reset! Network haben gemeinsam eine Untersuchung zu den Besitzstrukturen im europäischen Livemusik-Sektor in Auftrag gegeben. Diese Strukturen bleiben für das Publikum grösstenteils unsichtbar, spielen jedoch eine zentrale Rolle dabei, wer Bühnen betreibt, wie unternehmerische Risiken verteilt werden und wohin die Einnahmen aus dem Livegeschäft fliessen. 

Die Analyse zeigt, dass mehr als 150 der grössten Festivals Europas von lediglich vier Unternehmensgruppen kontrolliert werden: der Anschutz Entertainment Group (AEG), Live Nation, CTS Eventim und Superstruct. Dieselben Konzerne betreiben auch einige der grössten Konzertarenen und -stadien des Kontinents – Infrastrukturen, die im aktuellen Boom der Arena- und Stadiontourneen eine immer zentralere Bedeutung einnehmen.  

Machtkonzentration entlang der gesamten Wertschöpfungskette 

Der Einfluss dieser grossen Live-Unternehmen beschränkt sich nicht auf Festivals und Spielstätten. Viele der Gruppen sind vertikal integriert und kontrollieren mehrere zentrale Bereiche der Livemusik-Ökonomie gleichzeitig: Ticketing, Booking, Promotion und teilweise auch Künstler*innen-Management.  

Ein Beispiel dafür ist Live Nation, das mit Ticketmaster eine der weltweit grössten Ticketing-Plattformen besitzt. Auch andere Konzerne verfolgen ähnliche Modelle. Diese Konzentration im Ticketing-Markt sorgt für Kritik: Befürchtet werden negative Auswirkungen auf Zugang, Preisgestaltung und Vielfalt, da wenige Akteur*innen nicht nur über Bühnen, sondern auch über Vertriebswege und Sichtbarkeit entscheiden. 

Unabhängige Venues als kulturelle Grundlage 

Dem gegenüber steht eine vielfältige Landschaft kleiner und mittelgrosser Clubs und Festivals. Diese Orte bieten Raum für Experimente, für lokale Szenen und für Stimmen, die im kommerziellen Mainstream wenig Platz finden. Ausserdem fungieren sie als Sprungbrett für aufstrebende Künstler*innen und übernehmen dabei einen Grossteil des künstlerischen und finanziellen Risikos. Gleichzeitig sind sie besonders verletzlich: steigende Produktionskosten, unsichere Förderstrukturen und der zunehmende Wettbewerbsdruck durch grosse Player setzen ihnen stark zu. 

Mit der wachsenden Marktmacht grosser Konzerne mehren sich die Sorgen, dass unabhängige und experimentelle Stimmen zunehmend verdrängt werden. Minderheiten und marginalisierte Gruppen könnten an Sichtbarkeit verlieren, wenn Programmgestaltung primär nach wirtschaftlicher Sicherheit ausgerichtet wird. 

Auswirkungen auf Publikum und Teilhabe 

Die Konzentration im Livemusik-Sektor betrifft nicht nur Veranstalterinnen und Künstlerinnen, sondern auch das Publikum. Steigende Ticketpreise, zusätzliche Gebühren im Ticketing und das Verschwinden lokaler Spielstätten schränken den Zugang zu Live-Musik zunehmend ein. Teilhabe wird damit stärker von finanziellen Möglichkeiten und urbaner Infrastruktur abhängig. 

Ein weiterer struktureller Effekt zeigt sich entlang der Karrieren von Künstler*innen: Wenn Acts von kleinen Clubs zu grossen Festivals und später in Arenen oder Stadien wechseln, fliesst das später generierte Einkommen in der Regel nicht zurück zu jenen Orten, die sie in ihrer Anfangsphase unterstützt haben. Die wirtschaftlichen Erträge konzentrieren sich damit an der Spitze, während die Basis des Systems chronisch unterfinanziert bleibt. 

Braucht es neue Solidaritätsmodelle? 

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, ob es neue Redistributions-Instrumente braucht, um das Livemusik-Ökosystem langfristig zu stabilisieren. Solche Mechanismen könnten dazu beitragen, jene Strukturen zu sichern, auf denen die Vielfalt der europäischen Livemusik basiert. 

Mehr Infos und Kartografien der Besitzverhältnisse findet ihr hier.

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